Eine Bilanz wie der HSV

Gestern war Wahl in München und das vorläufige Ergebnis sieht die Piraten bei 1,1%. Noch sind nicht alle Stimmzettel ausgezählt, aber für einen Stadtrat wird es wohl reichen.
Dass zukünftig ein Pirat im Münchner Rathaus sitzen wird, ist großartig! Daher vielen Dank an alle, die im Wahlkampf geholfen haben.

Sobald das endgültige Ergebnis fest steht, müssen wir daran arbeiten unseren Stadtrat in den nächsten 6 Jahren optimal zu unterstützen. Bevor wir uns jedoch gänzlich dieser Aufgabe, dem Europawahlkampf und sonstigem Alltag widmen, möchte ich die Kommunalwahl nutzen, um eine nüchterne Bilanz meiner Vorstandszeit zu ziehen.

Die Kommunalwahl war nun bereits die vierte Wahl meiner Amtszeit. Nachdem wir eine politische Partei sind und unser Ziel die Umsetzung unserer Themen und Ideale in Parlamenten ist, muss ich mich an Wahlergebnissen messen lassen.

Zur Landtagswahl vergleiche ich unser Ergebnis in München mit dem Ergebnis der 10 größten Städte in Bayern.

  • Fürth: 3,1%
  • Würzburg: 3,1%
  • Nürnberg: 3,0%
  • Augsburg: 2,9%
  • Bamberg: 2,8%
  • Erlangen: 2,7%
  • Regensburg: 2,7%
  • Ingolstadt: 2,4%
  • München: 2,3%
  • Bayreuth: 1,9%

Leider ein richtig schlechtes Ergebnis für München. Bei der Bezirkstagswahl war der Prozentwert zwar höher, aber im Vergleich schneidet München wieder kacke ab.

  • Fürth: 3,6%
  • Augsburg: 3,5%
  • Ingolstadt: 3,3%
  • Nürnberg: 3,2%
  • Würzburg: 3,1%
  • Erlangen: 3,0%
  • Regensburg: 3,0%
  • München: 3,0%
  • Bamberg: 2,4%
  • Bayreuth: 1,8%

Bei der Bundestagswahl gab es die Möglichkeit, die Ergebnisse Münchens deutschlandweit zu vergleichen. Leider sind wir in dieser Liste der 15 größten Städte Deutschlands auch nur in der unteren Hälfte zu finden und der Abstand zu den Spitzenreitern Dresden, Berlin oder Leipzig ist groß.

  • Dresden: 4%
  • Berlin: 3,6%
  • Leipzig: 3,5%
  • Nürnberg: 2,9%
  • Hamburg: 2,8%
  • Stuttgart: 2,7%
  • Köln: 2,6%
  • Dortmund: 2,6%
  • Bremen: 2,6%
  • München: 2,5%
  • Duisburg: 2,4%
  • Düsseldorf: 2,3%
  • Frankfurt: 2,3%
  • Essen: 2,2%
  • Hannover: 2,0%

Nun sind bei der Kommunalwahl nur in 5 Orten in Bayern reine Piratenlisten angetreten. Die Ergebnisse in München, Nürnberg, Regensburg und FFB stehen noch nicht endgültig fest. Es ist allerdings absehbar, dass wir in München das schlechteste Wahlergebnis von allen erzielt haben.

  • Gauting: 5,39%
  • Fürstenfeldbruck: 2,53% (Stand 17.3, 13 Uhr)
  • Regensburg: 2,26% (Stand 17.3, 13 Uhr)
  • Nürnberg: 1,3% (Stand 17.3, 13 Uhr)
  • München: 1,1% (Stand 17.3, 13 Uhr)

Ganz im Ernst: Wäre ich Basispirat, würde ich auf Grund dieses wiederholt desaströsen Ergebnisses der Piraten in München den Rücktritt des Vorsitzenden fordern. Leider bin ich der selbst.

Sicherlich kann man auch für jedes dieser Ergebnisse dutzende Erklärungen heranziehen, um das schlechte Abschneiden zu rechtfertigen. Sei es die unterschiedliche Bevölkerungsstruktur in den verschiedenen Städten oder jetzt bei der Kommunalwahl die größere Konkurrenz in München durch HUT und co. Aber mit solchen Erklärungsversuchen mag ich mich nicht zufrieden geben.

München ist nicht nur die schönste Stadt der Welt, sondern auch eine absolute Piratenhochburg. Wir haben auf dem Papier über 1000 Mitglieder und auch bei den zahlenden Mitgliedern hatten wir letztes Jahr über 350. Damit sind wir größer als etliche Landesverbände der Piratenpartei. München ist nicht nur ein Hightech Standort, sondern auch eine weltoffene Millionenstadt mit über 100.000 Studenten und vielen alternativen, liberalen und linken Menschen, welche der Piratenpartei eigentlich besonders aufgeschlossen sein sollten. Von unseren vielen Mitgliedern waren auch etliche in den vergangenen Wahlkämpfen in der ein oder anderen Form aktiv. Wir haben als Piraten in München optimale Bedingungen, da erwarte ich auch optimale Ergebnisse. Doch statt ein Bayern München der Piratenpartei zu sein, spielen wir eher wie der HSV.

Ich möchte hier und heute nicht anfangen, die Fehler aufzuzeigen, die -aus meiner Sicht- ich und andere gemacht haben. Dazu ist es sicherlich sinnvoller, noch etwas Zeit verstreichen zu lassen. Bei aller Euphorie über einen Piratenstadtrat darf jedoch die Fehleranalyse nicht untergehen. Dabei spielen weniger die Entwicklungen auf Landes- und Bundesebene eine Rolle; sondern jeder selbst sollte sich an die eigene Nase fassen und fragen was leider insbesondere in München schlecht gelaufen ist.

Ich bin mir sicher, dass wir aus unseren Fehlern lernen können und als Münchner Piraten eine erfolgreiche Zukunft vor uns haben!

Ein Kommentar

  1. 1

    Als Nicht-Pirat war die Münchner Wahl für mich aber auch schwierig. Mit Hut, Linke, Rosa Liste und Piraten standen nun 4 emanzipatorische Parteien zur Wahl. Da blieb mir (und vermutlich etlichen anderen) nichts anderes übrig als die Stimmen aufzuteilen. Und ich könnte wetten, dass viele Piraten alle Features des Wahlzettels ausgenutzt haben… (und die sind ja alle in dem Ergebnis ja noch nicht berücksichtigt). Also wird sich da noch ein bisschen was zu Gunsten der Münchner Piraten entwickeln. Ingolstadt schafft ihr noch…

    Und ich wünsche mir, dass ihr zusammen mit Hut und Linken eine Fraktion im Stadtrat bilden werdet – auch wenn es in der “Weltpolitik” Unterschiede gibt. Lokalpolitisch sollte das schon passen….