Was Gauck eigentlich sagen wollte.

Bundespräsident Gauck muss sich zur Zeit einige Kritik für sein Interview gefallen lassen. Intensive Recherchen meinerseits enthüllen nun, dass diese Kritik ungerechtfertigt ist. Gauck ist unschuldig, von bisher unbekannten Tätern wurde ihm ein falsches Redeskript untergeschoben. Hier nun exklusiv was Gauck eigentlich sagen wollte.

Interviewer:

Wenn wir jetzt mal Bilanz ziehen und anfangen – nach 25 Jahren: Möglicherweise wird bald ein Linker Ministerpräsident eines Bundeslandes, Herr Ramelow. Die Linke hat in Teilen die Nachfolge angetreten der alten SED. Ist das für Sie dann Normalität oder schwer zu verstehen?

Gauck:

Naja, der Mauerfall war vor 25 Jahren. Personell gibt es da so gut wie keine Überschneidungen mehr. Inhaltlich jedoch gibt es Teile in dieser Partei, wo ich – wie viele andere auch – Probleme habe. Die Vorstellungen, die die SED einst hatte bei der Unterdrückung der Menschen, existieren leider immer noch. Jedoch bei weiten nicht nur im Osten, nicht nur bei der Linken. So wissen wir seit den Enthüllungen von Snowden, dass NSA – aber auch der deutsche Geheimdienst BND – systematisch Bürger ausspioniert hat und wohl auch weiter ausspioniert. Selbst ein bayerischer CSU Politiker wie Dobrindt plant im Rahmen der PKW Maut Bewegungsprofile aller Autofahrer zu erstellen. Menschen, die die DDR erlebt haben und in meinem Alter sind, die müssen sich schon ganz schön anstrengen, um dies zu akzeptieren.

Auch in anderen Teilen des Interviews las Gauck den falschen Text vor. So zur Frage zu den rechtsextremen Ausschreitungen in Köln.

Interviewer:

Herr Präsident, wird das Land nicht unruhiger. Merkt man das nicht so ganz langsam; ich denke jetzt mal zum Beispiel an die Auseinandersetzungen in Köln. Rechte Hooligens gegen Salafisten. Wie haben Sie das empfunden?

Gauck:

Das, ich bin erschrocken natürlich als ich das gesehen habe. Und dann muss man zum zweiten Mal hinschauen und uns anschauen woher kommt diese Gewalt. Die rechte Gewalt kennen wir. Es gibt sie lange vor der Einheit.

Interviewer:

Wie soll man dagegen angehen? Vielleicht doch durch Verbote?

Gauck:

Verbote alleine werden leider nicht viel helfen. Der Staat hat leider rechtsradikale Gefahren zu lange unterschätzt. Es ist ein Armutszeugnis, dass eine rechtsradikale Terrorgruppe wie der NSU jahrelang Morde verüben konnte. Die Rolle des Verfassungsschutzes ist dabei noch lange nicht aufgearbeitet. Die Welt ist nicht per se nur bewohnt von Friedfertigen. Sondern eben auch von aggressiven und destruktiven Menschen. Und denen muss gewehrt werden. Ich danke allen Vereinen, Eltern, Schulen und antifaschistischen Initiativen welche sich im Kampf gegen Rechts betätigen.
Diese Demokratie ist zu kostbar, als dass wir sie ihren Verächtern zum Fraß vorwerfen können.

Ich denke mit Kenntnis dieser ursprünglichen Entwürfe wird es Zeit sich bei Gauck zu entschuldigen.


Hier nochmal im Vergleich die fälschlicherweise verwendeten Antworten:

Interviewer:

Wenn wir jetzt mal Bilanz ziehen und anfangen – nach 25 Jahren: Möglicherweise wird bald ein Linker Ministerpräsident eines Bundeslandes, Herr Ramelow. Die Linke hat in Teilen die Nachfolge angetreten der alten SED. Ist das für Sie dann Normalität oder schwer zu verstehen?

Gauck:

Naja, Menschen, die die DDR erlebt haben und in meinem Alter sind, die müssen sich schon ganz schön anstrengen, um dies zu akzeptieren. Aber wir sind in einer Demokratie. Wir respektieren die Wahlentscheidungen der Menschen und fragen uns gleichzeitig: Ist die Partei, die da den Ministerpräsidenten stellen wird, tatsächlich schon so weit weg von den Vorstellungen, die die SED einst hatte bei der Unterdrückung der Menschen hier, dass wir ihr voll vertrauen können? Und es gibt Teile in dieser Partei, wo ich – wie viele andere auch – Probleme habe, dieses Vertrauen zu entwickeln. Und wir erleben gerade in Thüringen einen heftigen Meinungsstreit: Ja, was ist denn diese Partei nun wirklich?

Interviewer:

Herr Präsident, wird das Land nicht unruhiger. Merkt man das nicht so ganz langsam; ich denke jetzt mal zum Beispiel an die Auseinandersetzungen in Köln. Rechte Hooligens gegen Salafisten. Wie haben Sie das empfungen

Gauck:

Das, ich bin erschrocken natürlich als ich das gesehen habe. Und dann muss man zum zweiten Mal hinschauen und uns anschauen woher kommt diese Gewalt. Die Hooligen Gewalt kennen wir. Es gibt sie lange vor der Einheit. Es gibt sie in anderen Ländern auch, das gehört zu einer bestimmten Gruppe junger Männer, die dann den Fussballplatz sich aussuchen um ihre Aggressionen auszutoben. Hier gibt es ein ungutes Bündnis von Fussballfans, Hooligens und rechter Szene und die passen irgendwie zueinander. Die gewaltbereiten Rechten und die gewaltbereiten Islamisten.

Interviewer:

Wie soll man dagegen angehen? Vielleicht doch durch Verbote?

Gauck:

Selbstverständlich auch durch Verbote: Dort wo Verbote sein müssen, müssen sie sein. Einmal müssen wir klar machen: In diesem Land, in jeder Demokratie ist der Staat der Inhaber der Gewalt. Staatliche Gewalt gegen Unrecht. Staatliche Gewalt gegen Aggression und kriminelles Handeln. Das ist gefordert und notwendig. Denn die Welt ist nicht per se nur bewohnt von Friedfertigen. Sondern eben auch von aggressiven und destruktiven Menschen. Und denen muss gewehrt werden. Also, die Familien, die Vereine und Verbände. Dank an die Fangruppen, die mit sehr viel Engagement sich trennen von denen die aggressive Stimmung verbreiten oder nationalistische oder gar rechtsradikale Stimmung verbreiten. Da ist viel geschehen im Land. Und da können also die Vereine, die Eltern und die Schulen ne Menge machen. Und dann gibt es einen Rest – da sagt der Staat: Bis hierher und nicht weiter. Das Gewaltmonopol ist unser und nicht euer. Schluss! Und dann wird auch der Richter das Seine zu tun haben. Um tatsächliche Gesetzesverstöße dann auch intensiv zu ahnden. Hier wollen wir nicht zuschauen. Sondern diese Demokratie ist zu kostbar, als dass wir sie ihren Verächtern zum Fraß vorwerfen können.

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