Studienlage zu elektronischen Zigaretten

Durch meinen letzten Blogbeitrag habe ich mich mal intensiver mit veröffentlichten Studien zur elektronischen Zigarette beschäftigt. Es gibt durchaus einiges an Studien: In meinem Literaturverzeichnis sind es zur Zeit 39 50. (wer noch weitere findet, immer her damit). Ich rechne damit, dass zu diesem Thema in nächster Zeit sehr viel mehr erscheinen wird.

Hier mal mein persönliches Fazit der bisher veröffentlichten Studien:

Wenn man die elektronische Zigarette als Genussmittel betrachtet spielen vor allem 2 Aspekte eine Rolle:

1) Fremdgefährdung.

Passivdampfen
Es gibt bisher keinerlei Hinweise für eine Fremdgefährdung duch Passivdampfen. Auch wenn da weitere Studien (Raumluftanalyse) sicher gut sind, erwarte ich da keine negativen Überraschungen. Konsequenterweise heißt das, dass es keinen Grund gibt Dampfen in die Regelungen zum Nichtraucherschutz mit einzubeziehen.

Dampfen in der Schwangerschaft.
Neben Tabakrauch hat auch Nikotin negative Auswirkungen auf den Fötus. Trotzdem verschreiben viele Ärzte Frauen, die mit dem Rauchen nicht aufhören können Nikotinpflaster, da man davon ausgeht das nur Nikotin ein geringeres Übel ist als Nikotin + Tabakrauch. Zum Dampfen gibt es da natürlich noch keine Daten, ob Dampfen mit niedrigem oder 0er Liquid eine Alternative für Schwangere die absolut nicht aufhören können wäre ist eine unheimlich schwierige Frage.

Fremdgefährung durch Trinken der Flüssigkeit.
Hier liegt meiner Meinung die größte Gefahr. Gerade kleine Kinder können sich durch das Trinken von Liquid schwer schaden. Daher sollten Liquids entsprechende Warnhinweise und einen kindersicheren Verschluss haben.

2) Eigengefährdung

Unmittelbare Nebenwirkungen.
Es wurde die Inhaltsstoffe von Liquids analysiert und erste Studien mit Dampfern durchgeführt. Dabei zeigten sich keine größeren Nebenwirkungen, so das Dampfen gerade im Vergleich zum Rauchen keine größeren akuten Nebenwirkungen zu haben scheint.

Abhängigkeitspotential
Dazu habe ich eine kleinere Studie gefunden, welche eDampfen ein geringeres Abhängigkeitspotential als Rauchen bescheinigt. Hier sind aber sicher weitere Studien notwendig. Auf Grund der pharmakologischen Eigenschaften des Nikotins gehe ich persönlich von einem Suchtpotential (wenn auch geringer als bei Zigaretten) aus.

Langzeitschäden
Das ist DIE Hauptkritik am Dampfen. Und tatsächlich weiß man eben nichts über die Langzeitwirkung der verdampften Substanzen auf Lunge und sonstige Organe. Das wird sich auch nicht so schnell ändern. Wirklich schlauer wird man hier erst in 10-20 Jahren sein. Trotzdem kann man davon ausgehen, das Dampfen ungefährlicher ist als Rauchen. Daher sprechen sich viele Wissenschaftler gegen ein Verbot aus. z.B. Professor Michael Siegel für Community Health Sciences  aus Boston, Prof. Ron Borland vom Cancer Council Victoria  oder Professor of Public Health Sciences Jonathan Foulds von der
Pennsylvania State University. Leider scheinen die deutschen Professoren für Public Health bisher zu schlafen. :-(

Lesenswert ist auch eine kritische Arbeit über die Situation in Süd Korea. An Kritikpunkten wird dort genannt:

  • Fehlende und uneinheitliche gesetzliche Regelungen
  • Benutzung durch Jugendliche (Anziehungskraft von eZigaretten als technisches Spielzeug oder durch die vielen verschiedenen tollen Aromen)
  • aggressive und falsche Werbung (die gesunde Zigarette)
  • das gleichzeitige Dampfen und Rauchen von Benutzern welches Bestrebungen den Anteil der Raucher an der Bevölkerung zu verkleinern verhindert.

Daher werden in der Studie folgende Forderungen aufgestellt:

  •  mehr Forschung, unabhängig von Tabakkonzernen und EZigaretten-Herstellern.
  • Verbot von Werbung und Marketing für eZigaretten
  • Aufklärung über Gefahren und Risiken der eZigaretten

Das stellt aus meiner Sicht dann schon die Maximalforderungen dar.

Eine Gefahr sehe ich noch in dem Trend eZigaretten selbst zu basteln bzw. sich sein Liquid selbst zu mischen. Durch solche unkontrollierten Produkte kann man sich selbst immens schädigen. Dies spricht übrigens auch gegen Verbote oder überhöhte Steuern. Das zertifizierte und auf Qualität geprüfte Produkt aus dem Fachhandel ist Eigenkreationen absolut vorzuziehen.

Auch wenn es meiner Meinung nach für die Bewertung als Genussmittel weniger relevant ist gibt es auch schon positive Studien über die Eignung von E-Zigaretten als Raucherentwöhnungsmittel [1], [2], [3],[4].

Falls man die eZigarette als Medikament zur Raucherentwöhnung betrachtet sieht übrigens alles anders aus. Dann sind viele weitere Studien nötig und das wäre das Ende des aktuellen freien Marktes. Denn als Medikament kann immer nur ein ganz bestimmtes Modell mit einem ganz bestimmten Liquid zugelassen werden.

Gruß,
florian

6 Kommentare

  1. 1

    Sehr guter Ansatz,
    die bisher vorliegenden Originalarbeiten zu suchen und diese Studien dann auch kritisch zu lesen.
    Weitere Paper zur Ergänzung der Liste: laufend aktualisierte Literaturverzeichnisse zum Thema finden sich u.a. auch auf den Seiten von Vapersnetwork und natürlich unbedingt CASAA
    url=http://vapersnetwork.org/science
    url=http://www.casaa.org/resources/
    (dort den weiterführenden Links folgen)
    Tom

    • Danke für die Links. Interessante Studien dabei, damit sind jetzt schon 50 Arbeiten in meinem Literaturverzeichnis .

  2. 2
    Raphael Moschkau

    Ich Danke Ihnen, dass sie sich die mühe machen sich intensiv mit den e-Zigaretten und den Liquids zu beschäftigen! Es gibt leider viel zu wenige Parteien die sich so neutral damit beschäftigen!
    Bitte Machen Sie so weiter!!!
    Mit freundlichen Grüßen; R.M.

  3. 3

    Ganz großen Lob für die gute Recherche und den damit verbundenen Zeitaufwand.

    Leider kann man dies bei den aktuellen Pressemitteilungen und Artikel nicht beobachten, warum dies so ist will ich jetzt mal nicht näher erörtern (da es wohl offensichtlich ist).

    Ich selbst beschäftige mich auch schon seit einigen Monaten mit diesem Thema und bin auch schon seit 4 Monaten komplett Rauchfrei, was ich vorher für unmöglich hielt.

    Mein eigenes Fazit:
    Dampfen ist eine sehr gute und wesentlich weniger schädliche Alternative zum Rauchen und daher ein Genussmittel und NICHT wie so oft von manchen Personen dargestellt ein Medizinprodukt.
    Wie gesagt das ist meine Auffassung zu diesem Thema.

  4. 4

    schöner Artickel, weiterso….die DPA muss enlich kapieren, dass Sie nicht länger diese schlecht bzw gar nicht recherchierten News verbreiten! Viel zu viele glauben diesen Mist!!!! Und dann wirst von Rauchern dumm angemacht….

  5. 5

    ich finde es schlim das ich mit als dampfer von raucher anhören muß wie schädlich das dampfen ist, obwohl die gleichen stoffe auch in einer tabakzigarette sind. offenbar hat da die presse gute arbeit geleistet.
    leider lesen sich die meisten artikel wirklich so. kann man damit nicht erstmal schluß machen?
    ich habe kein interesse daran, wieder mit dem rauchen zu beginngen. ( bin seit 4 wochen rauchfrei)

    an sonsten sehr guter artikel. mit wissen kann man vieles bewegen.

    danke