Don’t shoot the messenger – Rassismus in Bayern

Mitte Februar war ich Gast auf einer von der grünen Landtagsfraktion veranstalteten Podiumsdiskussion mit dem schönen Titel “Aus dem Abseits! Migrantisch geprägte (Fußball-) Vereine im Dialog mit Verbänden, Wissenschaft und Grün”.

Auf der Veranstaltung dauerte es allerdings etwas bis zu dem im Titel versprochenen Dialog. Zuvor mussten noch Imagefilme des DFBs abgespielt und politische Platitüden ausgetauscht werden.

Relativ am Ende der Veranstaltung geschah dann etwas völlig unerwartetes, ein Vereinsfunktionär stand auf und berichtete von seinen persönlichen Erfahrungen und Problemen. Unter anderen, dass gerade im ländlichen Raum Rassismus leider weit verbreitet ist, seine Spieler oft rassistisch beleidigt werden und Zuschauer sogar schon offen den Hitlergruß gezeigt haben. All dies ohne das der Schiedsrichter eingreifen würde.

Was darauf folgte war ein Shitstorm!

Aber wer jetzt denkt, dass sich die Empörung gegen Rassisten auf den Zuschauerrängen und gegen die rassistischen Beleidigungen richtet, der liegt leider falsch.

Die Welle der Empörung richtet sich natürlich gegen den Überbringer der schlechten Nachricht. Was erlaube dieser Mann? Wagt er es doch die von Fussballverbänden gezeichnete schöne, heile Welt anzugreifen.

13 Vereine veröffentlichen, natürlich ohne vorherigen Kontakt mit dem Funktionär, einen offenen Brief und forderten eine öffentliche Entschuldigung da ihre Vereine völlig zu unrecht in eine rechte Ecke gestellt würden. Dabei wurden alle Vorfälle ignoriert oder kleingeredet. Es wurde sich darauf berufen, dass Vereine laut Satzung neutral sind und als Beleg für nicht vorhandenen Rassismus mussten unter anderem Vereinswirte ausländischer Herkunft herhalten. Als konstruktiver Lösungsvorschlag zur Vermeidung von Konflikten wurde dann der Ligaauschluss des “Migrantenvereins” vorgeschlagen.

Hallo, geht’s noch? Ich hätte da einen anderen konstruktiven Lösungsansatz: Vereine sprechen offen das Problem Rassismus unter ihren Zuschauern an und handeln klar indem sie Rassisten rausschmeißen. Aber anscheinend scheint diese Lösung zu einfach zu sein.

Und wie reagiert der bayerische Fußball Verband? In der heutigen SZ konnte ich lesen, das nach intensiven Gesprächen (nein, wieder nicht mit den Vereinen bei denen rassistisches Verhalten vorkam, sonder natürlich mit dem Mann der diese angesprochen hat) es eine Entschuldigung des Funktionärs gab. Die Bemekrung entstand aus emotionaler Erregung heraus. Problem gelöst, oder?

Natürlich nicht. In Bayern, gerade in ländlichen Gegenden gibt es ein Problem mit Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Punkt. Können wir das einfach mal aussprechen, akzeptieren und uns dann gemeinsam um Lösungen kümmern? Dabei geht es nicht um dumpfe Nazischlägertypen in Bomberjacken genausowenig wie es bei den Ermitlungen rund um die Morde der NSU nur um 3 Einzeltäter geht. Sondern wir müssen als Gesellschaft endlich die auch in unserer Mitte weit verbreiteten fremdenfeindlichen Einstellungen angehen. Und wenn 45 Jahre nach Gründung eines “Migrantensportvereins” dieser immer noch massiven Anfeindungen ausgesetzt ist müssen wir aufhören die Schuld ausschließlich dort zu suchen.

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